Beirut, Libanon – Am 6. Juni landete ein Flugzeug mit mehreren hochrangigen Beamten, darunter auch Ministerpräsident Nawaf Salam, am zweiten Flughafen des Landes. Der Flug markierte die offizielle Wiedereröffnung des Rene Mouawad Flughafens in Qlayaat, einer Stadt im Norden Libanons. Dies wird von den Verantwortlichen als wichtige Chance betrachtet, um die internationale Anbindung des Landes zu erweitern, mit möglichen Zielen wie Dubai, Istanbul und einer weiteren Destination in der Türkei.
Herausforderungen für den neuen Flughafen
„Der erste Flug war eine Zeremonie und stellt einen bedeutenden Meilenstein dar“, äußerte Mazen Sammak, Präsident der Private Pilot Association of Lebanon, gegenüber Al Jazeera. „Die wirkliche Herausforderung liegt jedoch in den kommenden Phasen, denn die Umsetzung der Zeremonie in die Realität birgt viele Schwierigkeiten.“ Der Flughafen in Qlayaat war ursprünglich für die Aufnahme von Passagieren Mitte des Jahres vorgesehen. Doch die israelischen Angriffe auf Libanon haben Verzögerungen verursacht, da sich die Aufmerksamkeit des libanesischen Staates auf die Folgen des Konflikts konzentrierte.
In den letzten Monaten hat Israel über 3800 Menschen im Libanon getötet und mehr als 1,2 Millionen Menschen vertrieben. Ein erneuter Versuch, einen Waffenstillstand zwischen Israel und Libanon zu erzielen, wurde vor Kurzem angekündigt, was viele Libanesen dazu ermutigt hat, in ihre Heimat zurückzukehren. Angesichts dieser Situation sind Projekte, die eine wirtschaftliche Belebung versprechen, besonders willkommen, vor allem im Norden des Landes, wo viele Bewohner unter prekären Bedingungen leben.
Wirtschaftliche Bedeutung für die Region
Der Flughafen Qlayaat liegt nur sechs Kilometer von der syrischen Grenze entfernt und soll sowohl die nordlibanesische Region als auch wichtige syrische Städte wie Homs und die Küstenregion bedienen. Experten führen an, dass der Regierungswechsel in Syrien im Dezember 2024 dem Flughafenprojekt einen neuen Aufschwung verlieh, da das frühere Regime unter Assad gegen ein solches Vorhaben war. Mit neuen Regierungen in beiden Ländern scheint eine rasche Entwicklung der Flughafenpläne möglich.
Sammak prognostiziert, dass der Flughafen im ersten Jahr etwa 115.000 Passagiere befördern könnte und diese Zahl bis zum vierten Jahr auf 600.000 anwachsen könnte. Aktuell befindet sich der Flughafen in der Sanierungsphase, die voraussichtlich noch etwa drei Monate in Anspruch nehmen wird. In dieser Zeit müssen ein temporärer Terminal, Sicherheitskontrollen und Gepäckabfertigungsbereiche eingerichtet werden.
Ängste um die Sicherheit des Flughafens
Die Eröffnung eines zweiten Flughafens in Libanon hat bei manchen Bürgern die Befürchtung geweckt, dass Israel den Flughafen in Beirut angreifen könnte, der von den südlichen Vororten dahiya umgeben ist. Während des Libanonkriegs 2006 wurde der Flughafen bereits angegriffen, und obwohl es in den jüngsten Konflikten nicht zu einem Angriff kam, bleiben solche Ängste bestehen.
Sammak wies jedoch die Vorstellung zurück, dass die Aktivitäten der libanesischen Regierung in direktem Zusammenhang mit den Angriffen Israels stehen. Stattdessen sieht er den Rene Mouawad Flughafen als wirtschaftlichen Katalysator. Der Fokus liege nun darauf, den Flughafen für den Passagierbetrieb vorzubereiten und neue Flugrouten zu sichern. Dabei warnte er vor politischen Einflussnahmen, die in der Vergangenheit zu Missmanagement geführt hätten.
Die kommenden Monate sind entscheidend für die Realisierung dieser vielversprechenden Infrastruktur, und Experten sind dringend erforderlich, um sicherzustellen, dass die Pläne effizient und unabhängig umgesetzt werden.
