Dubai hat sich als eine Oase der Stabilität in der unruhigen Region des Nahen Ostens etabliert. Das Emirat, das als das zweitreichste der Vereinigten Arabischen Emirate gilt, hat sich als sicherer Finanzplatz positioniert, an dem vermögende Individuen ihr Kapital anlegen, Geschäfte tätigen und langfristig planen können. Allerdings hat der Iran-Konflikt dieses sorgfältig aufgebaute Image stark beeinträchtigt.
Ein wirtschaftlicher Schock
Die iranischen Angriffe mit Raketen und Drohnen auf Ziele im Golf haben mehr als nur ein wirtschaftliches Erdbeben ausgelöst. Zu Beginn des Konflikts verloren die Aktienmärkte in Dubai und dem benachbarten Abu Dhabi zunächst insgesamt 120 Milliarden Dollar (ungefähr 103 Milliarden Euro) an Wert. Die Tourismusbranche verzeichnete einen dramatischen Rückgang – die Hotelbelegung fiel auf 20 Prozent, während sie normalerweise zwischen 70 und 80 Prozent lag. Laut der Londoner Forschungsfirma Capital Economics brach der Flugverkehr zum und vom Dubai International Airport um etwa zwei Drittel ein.
Obwohl es während eines vorübergehenden Waffenstillstands Anzeichen einer Erholung gab, hat zuletzt ein neuer iranischer Drohnenangriff auf das Ölfeld von Fujairah die Sorge verstärkt, dass die Bedrohung für Dubais Ruf als globales Geschäftszentrum weiter besteht.
Der Status als sicherer Hafen in Frage gestellt
Vermögende Einzelpersonen, die Dubai als Spielplatz für Reiche und Berühmte schätzten, stellen zunehmend in Frage, ob es tatsächlich der sichere Hafen ist, den es verspricht. Viele von ihnen haben sich an andere führende Finanzzentren wie Singapur und die Schweiz gewandt, um zumindest einen Teil ihres Vermögens dort zu parken. Vermögensverwalter in diesen Ländern berichten von einem starken Anstieg der Anfragen aus Dubai, wobei Schweizer Privatbanken mit einem riesigen Zufluss von Vermögenswerten aus dem Golfraum rechnen.
Es wird jedoch betont, dass diese beiden Zentren unterschiedliche Arten von Vermögen anziehen. Während die Schweiz vor allem europäische und globale Kunden anlockt, profitiert Singapur verstärkt von Vermögen aus Asien. Singapur hat ein Modell entwickelt, das Dubai später übernommen hat — ein komplexes Ökosystem für Family Offices, die auf Investments, Steuerfragen und Nachlassplanung spezialisiert sind.
Abkühlung des Immobilienmarkts
Neben den unmittelbaren wirtschaftlichen Rückschlägen gefährdet der Konflikt auch Dubais langfristige Anziehungskraft für Expatriates und Unternehmen. Die multiethnische Lebensweise der Stadt hat zu einem Immobilienboom geführt, wo die Preise für erstklassige Villen seit Beginn der Pandemie fast verdoppelt wurden. Aktuelle Berichte zeigen jedoch, dass der Wert der Wohnimmobilientransaktionen im März um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vormonat gesunken ist.
Prognosen deuten auf eine mögliche Preisberichtigung zwischen 7 und 15 Prozent hin. Trotz der angespannteren Lage ziehen es viele vermögende Kunden vor, ihre Vermögenswerte zu diversifizieren, anstatt vollständig aus Dubai auszusteigen. Dies beschreibt Till Christian Budelmann, CIO einer Schweizer Privatbank, als “strategische Hybridität”. Kunden behalten ihre betrieblichen Geschäfte in den VAE bei, während sie ihre langfristigen Vermögenswerte verlagern.
Die wirtschaftliche Zukunft Dubais
Vor dem Krieg verzeichnete Dubai ein starkes Wirtschaftswachstum. Im Jahr 2025 betrug das BIP-Wachstum 4,7 Prozent in den ersten neun Monaten. Im vergangenen Jahr siedelten rund 9.800 Millionäre nach Dubai über und brachten schätzungsweise 63 Milliarden Dollar an neuem Vermögen mit. Die steuerlichen Vorteile wie keine persönliche Einkommenssteuer und geringe Unternehmenssteuersätze bieten zusätzlich Anreize.
Trotz dieser Unsicherheiten glauben Experten, dass, falls ein dauerhafter Waffenstillstand erzielt wird, Dubai schnell wieder aufblühen kann. Die Pläne von Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum zur Expansion des Dubai Airports und der Verdopplung der Wirtschaft bis 2033 stehen zwar auf dem Spiel, aber die Stadt bleibt eine aufregende, kosmopolitische Metropole voller Chancen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickeln wird und ob die Vermögenden ihr Interesse an diesem faszinierenden Standort aufrechterhalten können.
