Die besten Methoden zur Bekämpfung iranischer und russischer Shahed-Drohnen liegen nicht in der Luft, sondern in der Unterbrechung der Lieferketten. Ihre Herstellung ist ohne westliche Komponenten unmöglich.
Die Bedrohung durch Shahed-Drohnen
Iranische Shahed-Drohnen haben jüngst das ikonische Burj Al Arab Hotel in Dubai angegriffen. Diese Art von Drohne könnte in großen Stückzahlen – möglicherweise in den Zehntausenden pro Monat – produziert werden, dank westlicher Komponenten, die über Zwischenhändler, darunter auch die Vereinigten Arabischen Emirate, zugeführt werden. Trotz der drakonischen Sanktionen, die gegen Russland und Iran verhängt wurden, haben diese Länder die Produktion von Shahed-Drohnen in großem Maßstab angekurbelt.
Die zunehmende Verwendung dieser Drohnen verdeutlicht ein zentrales Problem: Sanktionen bestehen, doch ihre Wirksamkeit hängt stark davon ab, wie gut die Lieferketten überwacht werden. Solange der Zugang zu entscheidenden Komponenten nicht unterbrochen wird, werden Russland und Iran weiterhin in der Lage sein, Waffen zu produzieren, die sowohl zivile als auch militärische Ziele angreifen.
Die Technologie hinter Shahed-Drohnen
Die iranische Shahed-136 ist ein relativ einfaches Gerät, das sich durch eine Delta-Flügel-Konstruktion, einen Kolbenmotor und Satellitennavigation auszeichnet. Ihr Hauptvorteil liegt nicht in technologischer Raffinesse, sondern in der kostengünstigen Massenproduktion. Nach dem Beginn seiner großangelegten Invasion hat Russland nicht nur fertige iranische UAVs importiert, sondern deren Produktion auch lokalisiert, wobei sie die Bezeichnung „Geran-2“ trugen. Dafür wurde ein Werk in der Alabuga-Sonderwirtschaftszone in Tatarstan zum Hauptproduktionsstandort umfunktioniert.
Laut Schätzungen ukrainischer und westlicher Analysten hat die Produktionskapazität nun industrielle Ausmaße erreicht, mit Tausenden von Drohnen pro Monat. Um dies aufrechtzuerhalten, operiert die Fabrik mit voller Kapazität, wobei sowohl lokale Arbeiter als auch ausländische Arbeitskräfte beschäftigt werden. Trotz ihrer vermeintlichen Einfachheit ist die Technik der Drohnen nicht unabhängig. Eine Untersuchung hat mindestens 31 ausländische elektronische Komponenten im Shahed-107 identifiziert. Der Großteil dieser Teile stammt von US-Herstellern.
Die globale Lieferkette und ihre Herausforderungen
Die Abhängigkeit von einer globalen Lieferkette für westliche Hochtechnologie-Komponenten ist alarmierend. Trotz Sanktionen ist die Lieferkette für diese Komponenten selten direkt. Die Mikrochip-Herstellung erfolgt in den USA, Europa oder Asien, oft als zivile Produkte. Diese werden dann über internationale Händler verkauft. Der nächste Schritt erfolgt über Zwischenländer, die die Komponenten als „Allgemeine Elektronik“ kaufen und weiterverkaufen. Diese Transaktionen erscheinen auf den ersten Blick harmlos, was ihre Nachverfolgung erschwert.
Letztendlich erreichen die Elektronikmodule dann Russland oder Iran, wo sie in Produktionsstätten zentral zusammengebaut werden. Da die verwendeten Komponenten meistens nicht als militärisch klassifiziert gelten, unterliegen sie auch nicht den strengen Exportkontrollen, was die Situation weiter kompliziert.
Die Notwendigkeit einer strategischen Reaktion
Die Ukraine hat ihre Fähigkeiten zur Abwehr von Shahed-Drohnen bereits erheblich verbessert. Aber das Abfangen ist nur eine Reaktion auf das Problem, nicht die Lösung selbst. Solange die globalen Lieferketten fortbestehen, wird die Produktion auch weiter ansteigen. Daher muss die internationale Sicherheit nicht nur durch die Entwicklung von Luftverteidigungssystemen gewährleistet werden, sondern auch durch die Fähigkeit demokratischer Staaten, Exporte zu kontrollieren, graue Lieferwege zu schließen und Sanktionen als wirksames Abschreckungsinstrument zu nutzen.
