Dr. Andrew Holness, der Premierminister Jamaikas, hat Dubai und Singapur als Vorbilder für die Entwicklung Jamaikas angeführt. Er betont, dass die Insel sich von einem reinen Tourismusziel zu einem Wohn- und Investitionsstandort wandeln muss. Um dies zu erreichen, ist jedoch eine grundlegende Veränderung in den Einstellungen zu Produktivität, Löhnen und Arbeitskräften erforderlich.
Die Transformationsvision
Holness sieht in Dubai und Singapur Beispiele für eine rasante wirtschaftliche Transformation. Beide Städte haben ihre strategische Lage sowie ein offenes Wirtschaftsklima genutzt, um sich in wenigen Jahrzehnten zu globalen Handels- und Finanzzentren zu entwickeln. “Jamaika könnte ähnlich wie Dubai oder Singapur werden,” erklärte Holness bei der 41. Jahrestagung der Jamaikanischen Handelskammer. Die wirtschaftliche Situation heute sei völlig anders als in den 70er Jahren.
Er wies darauf hin, dass Jamaika möglicherweise Arbeitskräfte anziehen müsse, um das Wirtschaftswachstum zu fördern. “Können Sie sich vorstellen, dass Jamaika an einem Punkt angekommen ist, an dem wir Menschen importieren müssen, damit die Wirtschaft läuft?” fragte er. Dabei verwies er auf die Cayman Islands und Antigua und Barbuda, die ebenfalls auf importierte Arbeitskräfte setzen, um ihr Wachstum aufrechtzuerhalten.
Neudefinition des Tourismusmodells
Holness fordert eine grundlegende Neuausrichtung des traditionellen Tourismusmodells, das sich bisher auf Kurzzeitbesucher konzentrierte. „Wir müssen uns fragen, wie viele Menschen dauerhaft nach Jamaika kommen, um zu leben und zu investieren“, sagte er. Das aktuelle Modell drehe sich zu sehr um kurzfristige touristische Einnahmen. „Wir möchten, dass die Menschen hier leben, investieren und Geschäfte aufbauen.“
Er stellte diese Vision in den Kontext von Vision 2030, dem nationalen Entwicklungsplan Jamaikas, der darauf abzielt, Jamaika zu einem attraktiven Ort zum Leben und Arbeiten zu machen. Jedoch betonte er, dass Kriminalität, schlechte Infrastruktur und eine mangelnde Produktivität zentrale Herausforderungen darstellen.
Die Herausforderungen der Produktivität
Holness identifizierte Produktivität als ein zentrales Anliegen für Jamaikas wirtschaftliche Entwicklung. Er erläuterte, dass Jamaika in einem Teufelskreis feststecke, in dem Lohnerhöhungen, die nicht mit Produktivitätssteigerungen einhergehen, Inflation treiben. Aktuell rangiert Jamaika in der Karibik auf dem drittletzten Platz im Hinblick auf die Produktivität, was den Lohnanstieg und die Wettbewerbsfähigkeit erheblich beeinträchtigt.
„Produktivität ist das Herz des Wachstums“, betonte Holness. Sie sei entscheidend dafür, dass Löhne ohne übermäßige Preiserhöhungen steigen könnten. Während der Diskussion über das Budget wies er darauf hin, dass jamaikanische Arbeiter im Durchschnitt nur 8,81 US-Dollar pro geleistetem Arbeitsstunde zu einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitragen, was deutlich unter dem karibischen Durchschnitt liegt.
Der Arbeitsmarkt im Umbruch
In seiner Rede thematisierte Holness auch ein Paradoxon auf dem Arbeitsmarkt: Trotz rekordverdächtiger niedriger Arbeitslosigkeit könnten Unternehmen keine Arbeitskräfte finden. “Jeden Tag höre ich von Geschäftsleuten, dass sie keine Arbeitnehmer finden können, während ich gleichzeitig viele Menschen sehe, die nicht arbeiten“, berichtete er.
Er forderte eine neue Arbeitsmarktpolitik, die auf die beinahe Vollbeschäftigung ausgerichtet ist. Darüber hinaus ermutigte er die Jamaikanische Handelskammer, stärker in diesen Dialog einzutreten. Jamaika muss das Potenzial seines Arbeitsmarktes besser nutzen, um wirtschaftliches Wachstum zu fördern und mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen.
