Der Sudan hat mit dem Vorstoß der Rapid Support Forces (RSF) eine der finanziell erfolgreichsten nichtstaatlichen Wirtschaften der Gegenwart hervorgebracht. Mit geschätzten jährlichen Einnahmen von 1 bis 2 Milliarden US-Dollar, die aus dem Goldabbau, der Produktion von Drogen, Plünderungen in der Landwirtschaft, dem Viehhandel, Kontrollpunkten und beträchtlicher Unterstützung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammen, hat sich eine kriegsbedingte Wirtschaft etabliert. Diese wird von RSF-Führer Mohamed Hamdan Dagalo, besser bekannt als Hemedti, geleitet und finanziert einen Konflikt, der über 12 Millionen Sudanesen vertrieben hat und von den Vereinigten Staaten offiziell als Völkermord in Darfur eingestuft wird.
Der Einfluss der Captagon-Produktion
Die Zerschlagung der staatlich geförderten Captagon-Industrie in Syrien nach dem Fall der Assad-Regierung im Dezember 2024 hat eine neue Dimension der Kriminalität eröffnet. Der Sudan füllt schnell die dadurch entstandene Marktlücke, denn die Produktionskapazitäten in den von den RSF kontrollierten Gebieten haben sich innerhalb von rund 20 Monaten etwa vervierzehnfacht. Dieser Anstieg zeigt die wachsende Rolle Sudans im internationalen Drogenhandel und die Umstellung der RSF auf lukrative illegale Geschäfte.
Gold: Die finanzielle Grundlage der RSF
Gold bildet die Hauptquelle der Einnahmen der RSF. Schätzungen zufolge haben allein die Goldminen in Darfur im Jahr 2024 etwa 860 Millionen US-Dollar für die Gruppe generiert. Laut SWISSAID beträgt die gesamte Goldproduktion im Sudan jährlich zwischen 70 und 90 Tonnen, von denen zumindest die Hälfte über illegale Kanäle geschmuggelt wird. Diese gefährlichen Praktiken fördern nicht nur die Finanzierung der RSF, sondern untergraben auch die sozialen Strukturen und die Stabilität der Region.
Veränderungen in der Goldgeografie
Die Geografie des Goldabbaus hat sich seit dem Ausbruch des Krieges im April 2023 verändert. Die Region Jebel Amer in Nord-Darfur, einst das Herzstück von Hemedtis Empire, hat an Bedeutung verloren und ist durch Luftangriffe der sudanesischen Streitkräfte weiter geschädigt worden. Stattdessen haben die Songo-Minen in Süddarfur an Bedeutung gewonnen. Hier hat die Al-Junaid Multi Activities Company, die zur Dagalo-Familie gehört, Ende 2025 ihre Aktivitäten wieder aufgenommen. Chatham House dokumentiert dabei drei Betriebsarten der RSF: den direkten Abbau durch Al-Junaid, Schutzgelder von Kleinschürfern, die zum Handel über RSF-Kanäle gezwungen werden, und kleinere Einheiten, die in eigenständigen Operationen schürfen und erpressen.
Insgesamt verdeutlichen diese Entwicklungen, wie die RSF die bestehenden Ressourcen des Sudan ausbeutet und gleichzeitig die grundlegenden Bedürfnisse der Bevölkerung ignoriert. Mit dem anhaltenden Konflikt und der Expansion ihrer Aktivitäten, wird die humanitäre Krise voraussichtlich noch weiter verschärft werden. Der internationale Fokus sollte darauf liegen, diese illegalen Strukturen zu ergründen und geeignete Maßnahmen zur Stabilisierung der Region zu ergreifen, um eine Rückkehr zu Frieden und Ordnung zu ermöglichen.
